|
Nicht
nur für Bewohner der Bauernschaft war der Krug
ein Ort, an dem man sich traf, selbstgebrautes Bier
trank und über die Ernte, das Vieh oder över
anner Lüü snackte. Auch der Durchgangsverkehr
auf dem Etzhorner Weg nach Loyerberg trieb so manche
Wanderseele und manchen Fuhrmann in die Wirtschaft.
Neben
dem gesellschaftlichen Leben fanden im Etzhorner
Krug auch die Versammlungen der Bauernschaft statt.
Es wurden wichtige Entscheidungen gefällt,
wie beispielsweise 1859, als der Krug schon
im Besitz Hermann Hankens war: 43 Leute drängten
sich in den engen Räumen und stimmten darüber
ab, ob ein Teil des eigenen Gebietes, der "Evel",
verkauft werden solle. Die Versammlung entschied
sich dagegen. Der Kauf einer Feuerspritze, Probleme
der Wegebesserung, alle Angelegenheiten der Etzhorner
wurden hier beraten.
Unter
Hermann Hanken erlebte der Krug einen besonderen
Aufschwung. Er ließ 1862 das Haus neu
erbauen, erweiterte die Wirtschaft und den Tanzsaal,
baute eine Kegelbahn, eine Kolonialwarenhandlung,
eine Bierbrauerei, Bäckerei, Dampfmühle,
Fahrradstation und Poststelle. Seit 1871
durfte der Wirt auch Wegezoll von den Passanten
erheben - eine willkommene zusätzliche Einnahmequelle,
die erst 1914 mit Beginn des Ersten Weltkrieges
versiegte.
1904
ging der Etzhorner Krug in den Besitz der Familie
Stührenberg über, die den Tanzsaal vergrößerte
und vor allem den Bier- und Kaffeegarten pflegte.
Nach
wie vor war der Krug Ziel vieler Sonntagsausflügler.
Von der gutbürgerlichen Gaststätte entwickelte
sich der Etzhorner Krug in den 1960er und 1970er
Jahren zum Szene-Treff, zu dem es Jugendliche aus
ganz Oldenburg zog. Bei schummrigem Licht wurde
im Saal zu Disco-Musik geschwoft, während vorne
am Tresen die Etzhorner ihr Feierabend-Bier tranken.
Seit
1981 stand die alte Gaststätte dann
leer, bevor sie 1998 an die GSG überging
und nach reiflicher Überlegung abgerissen wurde.
Seit
2001 betreibt das Ehepaar Dralle den Gasthof
und möchte den Etzhorner Krug tatkräftig
wieder dahinführen, was er in seiner langen
Existenz gewesen ist: Ein belebender Anziehungspunkt
für einen liebenswerten Ort und seine Gäste.
|