Etzhorner Krug um 1890Als Johan Kröger im Jahre 1600 sein Haus auf der Heide bei Etzhorn baute, da konnte man die Häuser in der Bauernschaft noch an einer Hand abzählen. Die Etzhorner galten als ein schlitzohriges Bauernvolk, das – so erzählt in der Chronik von Ewald Sander – sein Vieh zum Weiden auch gerne mal auf fremden Grund trieb. Zudem müssen sie auch ein geselliges Volk gewesen sein, denn in jener Zeit entstand in Johan Krögers Haus der erste Krug des Ortes. Über 250 Jahre blieb der Krug in der Familie Kröger.

Nicht nur für Bewohner der Bauernschaft war der Krug ein Ort, an dem man sich traf, selbstgebrautes Bier trank und über die Ernte, das Vieh oder över anner Lüü snackte. Auch der Durchgangsverkehr auf dem Etzhorner Weg nach Loyerberg trieb so manche Wanderseele und manchen Fuhrmann in die Wirtschaft. Neben dem gesellschaftlichen Leben fanden im Etzhorner Krug auch die Versammlungen der Bauernschaft statt.

Es wurden wichtige Entscheidungen gefällt, wie beispielsweise 1859, als der Krug schon im Besitz Hermann Hankens war: 43 Leute drängten sich in den engen Räumen und stimmten darüber ab, ob ein Teil des eigenen Gebietes, der „Evel“, verkauft werden solle. Die Versammlung entschied sich dagegen. Der Kauf einer Feuerspritze, Probleme der Wegebesserung, alle Angelegenheiten der Etzhorner wurden hier beraten.

Unter Hermann Hanken erlebte der Krug einen besonderen Aufschwung. Er ließ 1862 das Haus neu erbauen, erweiterte die Wirtschaft und den Tanzsaal, baute eine Kegelbahn, eine Kolonialwarenhandlung, eine Bierbrauerei, Bäckerei, Dampfmühle, Fahrradstation und Poststelle. Seit 1871 durfte der Wirt auch Wegezoll von den Passanten erheben – eine willkommene zusätzliche Einnahmequelle, die erst 1914 mit Beginn des Ersten Weltkrieges versiegte.

1904 ging der Etzhorner Krug in den Besitz der Familie Stührenberg über, die den Tanzsaal vergrößerte und vor allem den Bier- und Kaffeegarten pflegte. Nach wie vor war der Krug Ziel vieler Sonntagsausflügler. Von der gutbürgerlichen Gaststätte entwickelte sich der Etzhorner Krug in den 1960er und 1970er Jahren zum Szene-Treff, zu dem es Jugendliche aus ganz Oldenburg zog. Bei schummrigem Licht wurde im Saal zu Disco-Musik geschwoft, während vorne am Tresen die Etzhorner ihr Feierabend-Bier tranken. Seit 1981 stand die alte Gaststätte dann leer, bevor sie 1998 an die GSG überging und nach reiflicher Überlegung abgerissen wurde.

wir Seit 2001 betreibt das Ehepaar Dralle den Gasthof und hat den Etzhorner Krug tatkräftig wieder dahin geführt, was er in seiner langen Existenz gewesen ist: Ein belebender Anziehungspunkt für einen liebenswerten Ort und seine Gäste.